„Kirchen sind immer noch die größten Bildungsträger”

14.06.2010 17:38 Alter: 87 Tage

Von: Anne-Kathrin Koppetsch

Kreissynode Dortmund-Mitte-Nordost: Bildung als Schwerpunktthema - allgegenwärtig in Gemeinden und Arbeitsbereichen

Foto: Superintendent Stamm und Mitglieder des KSV stimmen ab, im Vordergrund Pfarrer Christoph Diestelhorst (Schütze)

„Kirche ist ohne Bildung nicht möglich!” Diese These vertrat Superintendent Paul-Gerhard Stamm auf der Synode des Kirchenkreises Dortmund-Mitte-Nordost am 14. Juni in Asseln. „Ob nun über Apfelsorten, über Helmut Gollwitzer oder die Bekenntnissynode von Barmen gesprochen wird: in vielen Gemeindekreisen findet Bildung statt”, erklärte er dem „Parlament” des Kirchenkreises.

Anlässlich des 450. Todesjahres des Professors und Weggefährten Luthers, Philipp Melanchthon, hat die Evangelische Kirche in Deutschland Bildung als Schwerpunktthema ausgerufen. Bis zur Reformation sei Bildung ein Privileg der Elite gewesen. Erst mit Luther wurde sie demokratisiert, äußerte Professor Hans Martin Lübking während der Kreissynode. Noch immer seien evangelische und katholische Kirche gemeinsam die größten Bildungsträger Deutschlands. Mit  Kindertageseinrichtungen und der Mitgestaltung in öffentlichen Schulen durch den Religionsunterricht prägten sie die Gesellschaft. Sie vermittelten das christliche Menschenbild auf breiter Ebene. Nicht hinzunehmen sei, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft über die Bildungschancen entscheide.

Dafür, dass die „religiöse Bildung” an Schulen erhalten bleibt, sprach sich Andrea Auras-Reiffen aus, Bezirksbeauftragte für den Religionsunterricht an Berufskollegs. „Der Unterricht darf nicht den ökonomischen Zwängen weichen!

Kinder und Jugendliche stünden bei der evangelischen Kire in Dortmund im Fokus, betonte Superintendent Stamm. Angebote wie Sprachtherapie, musikalische Früherziehung und sogar Familiengottesdienste würden auch von nichtchristlichen Menschen dankbar angenommen. „Viele muslimische Eltern schätzen es, dass Kinder religiöse Riten erleben.” Am interreligiösen Dialog führe kein Weg vorbei. „Von 74 Schülerinnen und Schülern, die neu eingeschult wurden, hatten nur vier einen christlichen Hintergrund”, berichteten Vertreter der Lydia-Kirchengemeinde in der Nordstadt. Zudem startet am 1. August das Projekt „Jugendkirche“ in der Jakobuskirche Dortmund-Wambel. Auch die Arbeit der Stadtkirchen St. Reinoldi und St. Petri sei zunehmend auf die Vermittlung christlicher und biblischer Grundinhalte ausgerichtet, da diese nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden könnten.

„Grüner Hahn“ und Konzeption

Das vor zwei Jahren beschlossene Projekt zum kirchlichen Umweltmanagement, der „Grüne Hahn”, wird in diesem Sommer in der Gemeinde Asseln sowie im Gemeindezentrum Scharnhorst-Schalom abgeschlossen. Zertifizierungen belegen, dass die Gemeinden ihre Gebäude auf Umweltverträglichkeit und Energieverbrauch hin untersucht haben und Schritte zur Verbesserung der Energiewerte eingeleitet haben. Weiter verabschiedete das Kirchenparlament eine Konzeption des Kirchenkreises. Sie bietet eine Bestandsaufnahme der aktuellen Arbeit mit inhaltlichen Schwerpunkten wie Kirchenmusik, Stadtkirchen- und Jugendarbeit. Bei einer gegebenenfalls künftig anstehenden Vereinigung der Kirchenkreise sollen diese erhalten bleiben.