Dortmunder Kirche protestiert gegen Zerstörung eines Projekts

31.05.2010 12:09 Alter: 101 Tage

Von: Anne-Kathrin Koppetsch

14 Dortmunder/innen besuchten im April ein palästinensisches Projekt: "Tent of Nations". Nun gibt es einen Zerstörungsbefehl der israelischen Behörden.

Foto: Daher und Amal Nassar auf ihrem Grundstück, dem Projekt "Tent of Nations"

Gegen den Zerstörungsbefehl für die Infrastruktur eines palästinensischen Projekts hat die Evangelische Kirche in Dortmund und Lünen scharf protestiert. Mit großer Mehrheit verabschiedete die Verbandsvertretung am 31. Mai eine entsprechende Resolution.

Im April besuchte eine 14-köpfige Dortmunder Gruppe das Projekt „Tent of nations“ südlich von Bethlehem. Dort kämpft eine Familie seit fast 20 Jahren gegen die Enteignung ihres 42 Hektar großen Grundstücks durch die israelischen Behörden. Das Grundstück wird benötigt, um den Siedlungsbau voran zu treiben.

Familie Nassar hatte das Gelände 1916 rechtmäßig erworben und prozessiert nun gegen die Enteignung. Auf mehr als 100.000 Dollar belaufen sich mittlerweile die Anwalts- und Gerichtskosten. „Wir weigern uns, Feinde zu sein“, lautet das Motto der Familie, das auf einen Stein am Eingang geritzt ist.

„Es darf nicht sein, dass eine palästinensische Familie unrechtmäßig enteignet wird und dass ihr auf diese Art die Lebensgrundlage entzogen wird“, erklärte der Superintendent und Vorstandsvorsitzende Paul-Gerhard Stamm. Gemeinsam mit Ökumenereferent Gerd Plobner leitete er die Dortmunder Delegation. Kritik äußerte Stamm an der derzeitigen israelischen Politik: „Das Recht wird durch die Besatzer definiert und bestimmt.“

Vor einigen Jahren hat die christlich-palästinensische Familie Nassar auf dem Gelände ein Begegnungszentrum für junge Menschen aus aller Welt errichtet, „Tent of nations“.  Die dafür nötigen Vorrichtungen wie Sanitäranlagen, Zelte, Brunnen und Container sollen nun kurzfristig zerstört werden. Die Zerstörung soll innerhalb von drei Tagen durchgeführt werden, so dass kaum Zeit bleibt, Widerspruch auf dem Rechtsweg einzulegen.

Der Manager des Projekts, Daoud Nassar, hat nun Freunde und Förderer in aller Welt alarmiert. Über die Begegnungsmöglichkeit für Jugendliche hinaus bietet „Tent of Nations“ Seminare und Workshops für die einheimische Bevölkerung an und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Zivilgesellschaft. Der Bundestagsabgeordnete Rupert Polenz (CDU) gehört zu den Unterstützern des Projekts. Rupert Neudeck, Begründer von „Cap Anamur“, installierte dort kürzlich eine Solaranlage.

Mit dem geplanten Zerstörungsakt würden dem Projekt ebenso wie der Familie Nassar die Lebensgrundlage entzogen. Die evangelische Kirche in Dortmund und Lünen solidarisiert sich in ihrer Erklärung mit der Familie Nassar, die aus christlicher Verantwortung heraus das Projekt aufgebaut hat.

Die Resolution im Wortlaut:

Eine vierzehnköpfige Delegation der Evangelischen Kirche in Dortmund bereiste vor einigen Wochen die palästinensischen Gebiete mit dem Ziel, Kontakt zu den dort lebenden Christen und Christinnen aufzubauen und zu vertiefen.
Die Gruppe besuchte unter anderem das Projekt “Tent of nations” südlich von Bethlehem.

Dabei handelt es sich um ein 42 Hektar großes Grundstück, das sich seit 1916 im Besitz der christlich-palästinensischen Familie Nassar befindet.
Seit fast 20 Jahren versuchen die israelischen Behörden, das Grundstück zu enteignen, um darauf den Siedlungsbau weiter zu betreiben. Familie Nassar prozessiert gegen die Enteignung. Die Anwalts- und Gerichtskosten des langwierigen und komplizierten Verfahrens belaufen sich mittlerweile auf mehr als 100.000 Dollar.
Der Prozess ist noch nicht entschieden.

Auf dem Gelände ist mittlerweile ein internationales Begegnungszentrum entstanden, “Tent of nations”, in dem sich alljährlich Hunderte von Jugendlichen aus aller Welt treffen.

Nun kam die alarmierende Nachricht, dass es einen Zerstörungsbefehl für insgesamt neun Einrichtungen auf dem Gelände gibt: für Zelte, Brunnen, Toiletten, Container und Vorrichtungen, mit denen Felsenhöhlen begehbar gemacht wurden.

Die Zerstörung soll innerhalb von drei Tagen durchgeführt werden, so dass kaum Zeit bleibt, rechtlichen Widerspruch dagegen einzulegen.

Wenn die israelischen Behörden den Zerstörungsbefehl durchführen, entziehen sie der Familie die Lebensgrundlage und zerstören ein wichtiges Projekt für junge Menschen aus aller Welt.

Wir als evangelische Kirche in Dortmund und Lünen solidarisieren uns mit der Familie Nassar, die aus christlicher Verantwortung heraus mit viel Engagement dieses friedensfördernde Projekt aufgebaut hat. Es darf nicht sein, dass eine palästinensische Familie unrechtmäßig für die Siedlungspolitik Israels enteignet wird und dass ihr auf diese Art die Lebensgrundlage entzogen wird.
Wir protestieren scharf gegen den geplanten Zerstörungsakt.